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Der weiße Wolf

Worum es geht

Sam war über ein Jahr lang in einem Kellerverließ eingesperrt. Nach langen Qualen durch Experimente und Forschung an ihr und ihren Artgenossen fand sie heraus, dass der junge Mann neben ihr ein alter Schulbekannter ist, den sie nur wiederwillig wiedererkennt. Sam brachte den Stein ins Rollen und alle brachen aus dem Verließ aus. In ihr und ihrem Schulfreund steckt ein unerwartetes Geheimnis, das sie noch in Schwierigkeiten bringt. Mit alten Bekannten mit ungeahnten Kräften wollen sie wieder zurück nach Hause.

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Der weiße Wolf (1)

Tag 1

Als ich so von der Decke hing und die Ketten langsam begannen in meine Fußgelenke einzuschneiden, dachte ich darüber nach, wie lang ich hier eigentlich schon hing. Wäre ich ein normaler Mensch, dann wäre mir das Blut in den Kopf gestiegen und irgendwann wäre der Druck zu groß geworden, doch das war ich nicht. Meine Adern hielten größerem Druck stand. Mein Herz pumpte kräftiger und mein Gehirn verbrauchte weniger Sauerstoff. Ich konnte meinen Kreislauf ganz einfach herunterfahren und so lange hier ausharren wie es nötig war. Oder zumindest bis ich mich befreien konnte. Wäre ich ein Mensch, wäre ich hier aber auch gar nicht gelandet, dann hätten sie mich nicht ausgesucht. Sie hätten mich nicht gefangen genommen und sie hätten mich nicht eingesperrt. Und was sie vor allem nicht getan hätten: Sie hätten mich nicht misshandelt und mich missbraucht. Diese Menschen missbrauchen uns für ihre Wissenschaft. Für ihre Erkenntnisse und für ihren Wissensdurst, doch dass sie uns damit unterdrückten und Unrecht an uns taten, das war ihnen gar nicht klar.
Nachdem ich eine Weile geschlafen hatte sah ich mich um. Ich war nicht die einzige hier, die gefangen worden war. Mit mir waren noch etwa 25 von uns in diesem Raum. Wir wurden hier festgehalten, damit sie Versuche an uns starten konnten, doch am liebsten würde ich mich losreißen und den ganzen Bastarden den Kopf abreißen. Immer wenn ich darüber nachdachte, wie das hier alles nur passieren konnte überzog mich eine Gänsehaut und ein leichter Schauder lief mir den Rücken herunter. Gerade kam wieder einer der Wächter, zumindest nannten wir sie so, herein und kettete einen meiner Nachbarn ab. Er ließ den schwachen Körper des jungen Mannes einfach auf den Boden fallen und schliff ihn dann hinter sich her. Er zog ihn durch eine dicke Stahltür und alles was danach passieren würde hatte ich auch schon erlebt.
Man würde ihn anstacheln. So lang bis er aggressiv werden würde. Wenn er erst mal außer Kontrolle geraten würde, würden sie ihn noch so lang weiter anstacheln bis er sich verwandeln würde. Für unsere schwachen Körper waren das schlimme Strapazen. Um sich schnell genug verwandeln zu könne, das hieße also binnen Sekunden, musste man gesund und trainiert sein. Die schnelle Verwandlung war für uns wichtig, falls wir in Schwierigkeiten geraten würden und uns einem Kampf stellen mussten. Doch er würde unter Schmerzen leiden müssen, da sein Körper schon seit Monaten kaum Nahrung bekommen hat und man muss mal ehrlich sein: Über Kopf an der Decke auf gehangen mit Ketten die einschneiden einzuschlafen war schon eine schwere Sache. Das heißt durch Schlaf Kraft zu sammeln war unmöglich. Dazu kam noch, dass hier manche schluchzten oder vor Schmerz einfach nur noch wimmerten. Einige unterhielten sich manchmal, doch den meisten war nicht zu reden zumute. Ich wusste, dass in den meisten hier im Raum ein Feuer brannte, dass nur noch darauf wartete alles nieder zu brennen. Man hatte uns extra so schwach werden lassen, um zu bezwecken, dass unsere Verwandlung langsamer würde. Sie wollt jede Kleinigkeit aus Forschungszwecken aufnehmen.
Dass sie uns damit bloß stellen würden oder unseren Stolz und unsere Ehre nahmen war ihnen egal. Sie waren an uns nur als Forschungsobjekt interessiert. Das schlimme war, dass schon einige zu Tode gekommen und das war den Wächtern egal.
Nach einigen Stunden kam mein Nachbar wieder. Er war wieder in menschlicher Gestalt. Während seines Aufenthalts bei den Wächtern hatte ich jedes kleinste Schreien, Brüllen und Wimmern von ihm gehört. Als sie ihn wieder auf gehangen hatten nickte ich kurz zu ihm rüber, um sicher zu gehen, dass es ihm den Umständen entsprechend gut ging und er nickte zurück, so wie wir es immer getan hatten. Sein ganzer Körper war von Prellungen, blauen Flecken und Rückständen von Peitschenschlägen übersät. Diesmal hatten sie ihm sogar eines seiner Beine gebrochen. Er ruckte mit seinem Bein und nutze dafür die Schwerkraft und richtete damit sein Schienbein. Es knackte und ich konnte praktisch hören wie die Knochen sich langsam miteinander verbanden. Dieser Bruch würde vielleicht 24 Stunden brauchen. Dann wäre er vollkommen ausgeheilt. Normalerweise heilten wir bei schwerwiegenden Verletzungen binnen Minuten und bei leichteren Verletzungen binnen Sekunden, doch wir waren einfach schwach. Wir fühlten uns alle gedemütigt. Man hatte uns gezeigt, dass man auch gegen uns eine Chance hatte.
Ich wusste nicht genau wo wir waren, doch es schien ein Keller zu sein. Die Ketten waren mit dicken Bolzen in der Decke befestigt. Der Komplette Raum, sowohl Decke, Fußboden und auch die Wände waren mit dunklen kopfsteinpflasterartigen Steinen verkleidet. Unter der Decke leuchteten schwach ein paar Leuchtstoffröhren.
Am Eingang über der dicken Stahltür hing eine elektronische Anzeige. Auf ihr waren Datum und Uhrzeit angezeigt, damit wir auch ja wissen würden, wie lang wir schon hier waren. Um ehrlich zu sein: Ich hatte mittlerweile schon vergessen an welchem Tag ich hier her kam, also nützte mir die Anzeige ziemlich wenig. Es machte mich nur einfach krank zu sehen, dass Tag für Tag und Woche für Woche verging und niemand nach mir suchte, wenn sie nicht schon alle tod waren..
Neben der Tür stand ein Mann. In seinen Händen trug er ein Sturmgewehr. Würden wir nicht gehorchen würden sie hunderte Kugeln ohne Skrupel in uns hineinjagen. Das wäre nicht zwangsläufig unser Tod, aber würden sie es schaffen unseren Kopf von unserem Körper zu trennen, dann war es sicherlich so weit. An jeder Seite des Raumes waren viereckige Luftschächte an denen Ventilatoren waren. Wenigstens bekamen wir etwas Luft. Der Rest des Raumes war mit uns gefüllt. Wir hingen immer in 5er Reihen von der Decke. Jeder an einer Kette, die sich um die Füße schlang und dann nach oben mit einem Bolzen an der Decke befestigt war. Ich hatte schon häufiger überlegt, wie ich diese Bolzen aus der Decke ziehen könnte, doch bis jetzt war es mir nicht gelungen. Ich hatte einfach nicht genug Kraft- nicht mehr. Ich hing in der letzten Reihe und war froh darüber. Wir hier hinten hatten meist Glück und wurden häufig verschont. Mein Nachbar heute war eine Ausnahme, doch ich war froh, dass er überlebt hatte. Irgendwoher kam er mir bekannt vor. Sein Geruch, seine Art wie er sich bewegte, sein Aussehen. Diese blauengrünen Augen, die einen auf eine kühle, aber beruhigende Art ansahen.

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Der weiße Wolf (2)

In letzter Zeit und besonders seit heute, seit sie ihn mitgenommen hatten, habe ich wirklich darüber nachgedacht, ob es uns möglich wäre hier raus zu kommen. Ob es möglich wäre diesen ganzen beschissenen Menschen mal so richtig ans Bein pinkeln zu können. Ob wir wirklich jemals die Freiheit wieder erlangen!? Unser Bestand ist von der Natur streng geregelt. Stirbt einer von uns, wird ein neues Kind mit en selben genetischen Fähigkeiten geboren, damit immer in etwa dieselbe Anzahl von uns auf der Welt verteilt ist. Wir sind unsterblich – zumindest bis zu einem gewissen Maß. Das heißt wir altern nicht und würden nie einen natürlichen Tod sterben. Das machen sich die Wissenschaftler zum Vorteil. Sie nutzen unser unendlich langes Leben aus, um uns unendlich lang in diesen verkackten Keller festzuhalten und uns immer als Forschungsobjekte zu haben. Doch dazu sind wir nicht bestimmt. Nein, das war nun wirklich nicht unsere Bestimmung. Ich bin noch nicht sehr alt. Ich bin nach menschlichen Jahren 19. Ich bin noch nicht mal ausgewachsen und häng schon in so einer Scheiße hier. Fast mein ganzer Klan ist schon gestorben. Mein Klan … das war eine Gemeinschaft, die bei uns im Ort gegründet wurde. In unserem Ort gab es eine hohe Dichte von uns. Das gab es nur einmal auf der Welt. Umso mehr hielten wir zusammen, blieben ruhig und versuchte nicht aufzufallen. So viele, die sich zusammengeschlossen hatten konnten eine Bedrohung für die anderen sein und in diesem Licht wollten wir nicht da stehen. Wir waren immer Friedlich gewesen.
Tag 2
Als ich aufwachte hing ich noch genauso da wie vorher auch. Ich drehte mich soweit zur Seite, wie es ging und sah meinen Nachbar an. Seine blauen Augen funkelten mich an. Als ich seinen Blick erwiderte konnte ich ein kleines Lächeln über sein Gesicht huschen sehen. Sollte ich ihn ansprechen? War es nicht an der Zeit? Ich sah auf die Anzeige und die roten Leuchtbuchstaben verrieten mir, dass schon wieder ein weiterer Tag hier unten vergangen war, ohne dass etwas geschehen war. Jeden Tag erträumte ich mir, wie es wohl wäre wieder an das Tagesicht zurückzukommen, wie es wäre, wenn ich mich frei fühlen würde und wie es wär einfach nicht mehr hier sein zu müssen. Und immer wenn ich mir das vorstellte, dann sah ich ihn und mich. Ich wusste zwar nicht wer er ist, aber ich wusste, dass ich ihn kannte. Da war etwas, dass uns verbindet und das wollte ich nicht aufgeben, doch um das zu schaffen musste ich mit ihm reden. Ich hatte schon fast vergessen, wie es war sich mit jemandem zu unterhalten.
„Ich hatte Angst, dass sie dich schon wieder geholt hätten …“, sagte ich leise.
“Ich auch”, sagte er un zwang sich ein Lächeln ins Gesicht.
Ich sah ihn noch einige Sekunden an und überlegte, wie ich dieses Gespräch weiterführen könnte.
„Ich kenn dich, aber ich weiß einfach nicht woher … Ich überlege seit wir hier drin festsitzen!“, gab ich zu und hoffte, dass er mir eine Antwort geben konnte. Er grinste breit über sein ganzes Gesicht. Sein Lächeln strahlte mich praktisch an. Ich sah ihn verwundert an und konnte nur grinsen.
„Du weißt es, oder?“, sagte ich und musste etwas vor mich hin lachen. Er wollte mich verarschen. Ich konnte dieses Grinsen sofort einordnen. Und es wurde immer wärmer in meinem Kopf. Ich kam immer näher daran, wer er sein könnte.
„Du verarschst mich! Lass das!“, sagte ich und sah ihn weiter an, um eine Antwort zu erhalten.
„Als ich bemerkt hatte, dass du das bist, war ich wirklich verwundert. Ich hatte nie gedacht, dass du einer von uns bist!“, sagte er und gab mir dabei keine richtige Antwort.
„Das war nicht die Antwort auf meine Frage!“, sagte ich und zwinkterte.
„Och, ich lass dich lieber noch ein Bisschen schmoren. Macht doch viel mehr Spaß!“, sagte er frech und zwinkerte dabei ebenfalls. Ich hatte lange nicht mehr Lächeln können und ich fürchte, dass den meisten hier im Raum unser Gespräch auf den Keks gegangen ist, aber das war mir egal. Wenn siekeinen Spaß mehr haben konnten, dann sollten sie wirklich lieber hier unten verrotten.
Die nächsten Stunden verbrachte ich damit, zu überlegen, woher ich ihn kannte. Wo ich ihm schon mal begegnet sein könnte? Warum zum Teufel erinnerte ich mich einfach nicht mehr daran? Er schien mich doch ziemlich gut zu kennen. Was war der Grund, warum mir das einfach nicht einfallen wollte?
Ich drehte mich erneut zu ihm um. Ich sah ihn an. Er war groß und schlank und hatte diese blauen Augen, in denen man versank, wenn man ihn ansah. Ich war mir ziemlich sicher, dass mir das ganze nicht mehr so ganz gefallen würde, wenn ich mich erinnern würde. Zumindest nahm ich an, dass das der Grund dafür war, dass ich ihn verdrängt hatte.
"Wieso siehst du mich so an?", fragte er mich und schielte leicht zu mir rüber, um sich nicht verrenken zu müssen."Ich überlege, woher ich dich kenne?!", sagte ich und dabei musste er wieder grinsen. Was brachte ihn immer zum Grinsen?
"Damals mochtest du mich glaube ich nach einiger Zeit nicht mehr … Ich war ein harter Brocken und du hattest es nicht mal geschafft auch nur an der äußersten Schicht zu kratzen! Noch mehr Tipps?", fragte er zum Schluss seine Vortrags scherzend und sah mich dabei diesmal wirklich an.
"Ich weiß nicht… es ist wie als würde es mir auf der Zunge liegen, aber ich würde es einfach nicht wahrhaben wollen …" sagte ich nachdenklich.
"Du würdest es nicht wahrhaben wollen, weil du früher nie damit gerechnet hättest, dass ich auch nur ein Wort sagen würde!", gab er mir einen weiteren Tipp und jetzt fiel es mir ein. Wieso war ich nicht schon lang drauf gekommen? Diese kühlen Augen, perfekte makellose Haut, groß, schlank. Nur eine Sache stimmte nicht und diese war es, die mein Hirn hinters Licht geführt hatte: Er war nicht mehr schüchtern. Mich interessierte es wann er es geschafft hatte das zu überwinden. Immerhin hatte er nicht mal in meiner Anwesenheit mit Sean, einem guten Kumpel aus meiner Klasse gesprochen. Es war fast so, als hätte er mich gemieden, wo es nur ging.
"Alex! Das ist nicht dein ernst, oder?", sagte ich erstaunt und sah ihn mit großen Augen an.

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