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Der weiße Wolf (2)

In letzter Zeit und besonders seit heute, seit sie ihn mitgenommen hatten, habe ich wirklich darüber nachgedacht, ob es uns möglich wäre hier raus zu kommen. Ob es möglich wäre diesen ganzen beschissenen Menschen mal so richtig ans Bein pinkeln zu können. Ob wir wirklich jemals die Freiheit wieder erlangen!? Unser Bestand ist von der Natur streng geregelt. Stirbt einer von uns, wird ein neues Kind mit en selben genetischen Fähigkeiten geboren, damit immer in etwa dieselbe Anzahl von uns auf der Welt verteilt ist. Wir sind unsterblich – zumindest bis zu einem gewissen Maß. Das heißt wir altern nicht und würden nie einen natürlichen Tod sterben. Das machen sich die Wissenschaftler zum Vorteil. Sie nutzen unser unendlich langes Leben aus, um uns unendlich lang in diesen verkackten Keller festzuhalten und uns immer als Forschungsobjekte zu haben. Doch dazu sind wir nicht bestimmt. Nein, das war nun wirklich nicht unsere Bestimmung. Ich bin noch nicht sehr alt. Ich bin nach menschlichen Jahren 19. Ich bin noch nicht mal ausgewachsen und häng schon in so einer Scheiße hier. Fast mein ganzer Klan ist schon gestorben. Mein Klan … das war eine Gemeinschaft, die bei uns im Ort gegründet wurde. In unserem Ort gab es eine hohe Dichte von uns. Das gab es nur einmal auf der Welt. Umso mehr hielten wir zusammen, blieben ruhig und versuchte nicht aufzufallen. So viele, die sich zusammengeschlossen hatten konnten eine Bedrohung für die anderen sein und in diesem Licht wollten wir nicht da stehen. Wir waren immer Friedlich gewesen.
Tag 2
Als ich aufwachte hing ich noch genauso da wie vorher auch. Ich drehte mich soweit zur Seite, wie es ging und sah meinen Nachbar an. Seine blauen Augen funkelten mich an. Als ich seinen Blick erwiderte konnte ich ein kleines Lächeln über sein Gesicht huschen sehen. Sollte ich ihn ansprechen? War es nicht an der Zeit? Ich sah auf die Anzeige und die roten Leuchtbuchstaben verrieten mir, dass schon wieder ein weiterer Tag hier unten vergangen war, ohne dass etwas geschehen war. Jeden Tag erträumte ich mir, wie es wohl wäre wieder an das Tagesicht zurückzukommen, wie es wäre, wenn ich mich frei fühlen würde und wie es wär einfach nicht mehr hier sein zu müssen. Und immer wenn ich mir das vorstellte, dann sah ich ihn und mich. Ich wusste zwar nicht wer er ist, aber ich wusste, dass ich ihn kannte. Da war etwas, dass uns verbindet und das wollte ich nicht aufgeben, doch um das zu schaffen musste ich mit ihm reden. Ich hatte schon fast vergessen, wie es war sich mit jemandem zu unterhalten.
„Ich hatte Angst, dass sie dich schon wieder geholt hätten …“, sagte ich leise.
“Ich auch”, sagte er un zwang sich ein Lächeln ins Gesicht.
Ich sah ihn noch einige Sekunden an und überlegte, wie ich dieses Gespräch weiterführen könnte.
„Ich kenn dich, aber ich weiß einfach nicht woher … Ich überlege seit wir hier drin festsitzen!“, gab ich zu und hoffte, dass er mir eine Antwort geben konnte. Er grinste breit über sein ganzes Gesicht. Sein Lächeln strahlte mich praktisch an. Ich sah ihn verwundert an und konnte nur grinsen.
„Du weißt es, oder?“, sagte ich und musste etwas vor mich hin lachen. Er wollte mich verarschen. Ich konnte dieses Grinsen sofort einordnen. Und es wurde immer wärmer in meinem Kopf. Ich kam immer näher daran, wer er sein könnte.
„Du verarschst mich! Lass das!“, sagte ich und sah ihn weiter an, um eine Antwort zu erhalten.
„Als ich bemerkt hatte, dass du das bist, war ich wirklich verwundert. Ich hatte nie gedacht, dass du einer von uns bist!“, sagte er und gab mir dabei keine richtige Antwort.
„Das war nicht die Antwort auf meine Frage!“, sagte ich und zwinkterte.
„Och, ich lass dich lieber noch ein Bisschen schmoren. Macht doch viel mehr Spaß!“, sagte er frech und zwinkerte dabei ebenfalls. Ich hatte lange nicht mehr Lächeln können und ich fürchte, dass den meisten hier im Raum unser Gespräch auf den Keks gegangen ist, aber das war mir egal. Wenn siekeinen Spaß mehr haben konnten, dann sollten sie wirklich lieber hier unten verrotten.
Die nächsten Stunden verbrachte ich damit, zu überlegen, woher ich ihn kannte. Wo ich ihm schon mal begegnet sein könnte? Warum zum Teufel erinnerte ich mich einfach nicht mehr daran? Er schien mich doch ziemlich gut zu kennen. Was war der Grund, warum mir das einfach nicht einfallen wollte?
Ich drehte mich erneut zu ihm um. Ich sah ihn an. Er war groß und schlank und hatte diese blauen Augen, in denen man versank, wenn man ihn ansah. Ich war mir ziemlich sicher, dass mir das ganze nicht mehr so ganz gefallen würde, wenn ich mich erinnern würde. Zumindest nahm ich an, dass das der Grund dafür war, dass ich ihn verdrängt hatte.
"Wieso siehst du mich so an?", fragte er mich und schielte leicht zu mir rüber, um sich nicht verrenken zu müssen."Ich überlege, woher ich dich kenne?!", sagte ich und dabei musste er wieder grinsen. Was brachte ihn immer zum Grinsen?
"Damals mochtest du mich glaube ich nach einiger Zeit nicht mehr … Ich war ein harter Brocken und du hattest es nicht mal geschafft auch nur an der äußersten Schicht zu kratzen! Noch mehr Tipps?", fragte er zum Schluss seine Vortrags scherzend und sah mich dabei diesmal wirklich an.
"Ich weiß nicht… es ist wie als würde es mir auf der Zunge liegen, aber ich würde es einfach nicht wahrhaben wollen …" sagte ich nachdenklich.
"Du würdest es nicht wahrhaben wollen, weil du früher nie damit gerechnet hättest, dass ich auch nur ein Wort sagen würde!", gab er mir einen weiteren Tipp und jetzt fiel es mir ein. Wieso war ich nicht schon lang drauf gekommen? Diese kühlen Augen, perfekte makellose Haut, groß, schlank. Nur eine Sache stimmte nicht und diese war es, die mein Hirn hinters Licht geführt hatte: Er war nicht mehr schüchtern. Mich interessierte es wann er es geschafft hatte das zu überwinden. Immerhin hatte er nicht mal in meiner Anwesenheit mit Sean, einem guten Kumpel aus meiner Klasse gesprochen. Es war fast so, als hätte er mich gemieden, wo es nur ging.
"Alex! Das ist nicht dein ernst, oder?", sagte ich erstaunt und sah ihn mit großen Augen an.

5.8.14 19:04

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